Herbstmeister

Pünktlich zur Winterpause konnte unsere Erstvertretung mit einem deutlichen 5.5:2.5 Sieg gegen den Mitkonkurrenten aus Rüttenscheid die Tabellenspitze erklimmen. Damit ist wie im Vorjahr der Titel Herbstmeister unter Dach und Fach. Nichts für die Vereinschronik, aber durchaus Anerkennung für die bisher gezeigten Leistungen in der Saison.
Alle auf einen Streich

v.l.n.r. Mathias, Thomas, Klaus, Martin, Roland, Dominador, Thorsten und MF Ralf

Stellt man die Mannschaft kurz vor den Anpfiff noch spontan vor den Weihnachtsbaum und schaut in lachende Gesichter, gerät schnell das Wort “cheese” unter Tatverdacht. Weit gefehlt – “Schuld” an der ausgelassenen Stimmung war der Vorsitzende der Gastgeber. Als der nämlich die angespannten und hochkonzentrierten Gesichter unserer Cracks sah, griff er zur Geheimwaffe “The Voice of Rüttenscheid”, stimmte ein zur Jahreszeit passendes Lied an, forderte auf mitzusingen, und spätestens nach der dritten Einladung, die er mit Gestik und kräftiger Stimme unterstützte, hatte er alle.

 

Der Zweireiher

Brett 1-4

Brett 5-8

Kaum war das anstrengende Fotoshooting beendet, ging es an die Bretter. Manche noch im Smiley-Modus, andere schon in der Konzentrationsphase. Aber über das Ziel waren sich alle einig. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Die Einzelergebnisse
Br.Rochade Rüttenscheid DWZ-Springer SüdDWZ2,5:5,5
1Dergatschova, Anna2145-Beckmann, Klaus2167 ½ : ½
2Khasin, Abram2064-Herud, Martin2032 ½ : ½
3Dorgarten, Armin1916-Callenberg, Ralf2008 0 : 1
4Richters, Marc1904-Mecklenburg, Roland1997 0 : 1
5Koprek, Jürgen1891-Höfker, Mathias2050 ½ : ½
6Storp, Thomas1801-Parado, Dominador1909 0 : 1
7Bruckmann, Jochen1718-Jaring, Thorsten1927 1 : 0
8Pennekamp, Manfred1749-Stahlhofen, Thomas1832 0 : 1

Auch wenn der Sieg in Rüttenscheid deutlich ausfiel – es war ein hartes Stück Arbeit. Nach zwei schnellen Siegen von Thomas und Roland lehnten sich einige wohl zu weit zurück. Der Kampf drohte zu kippen, denn gleich drei Partien gaben Anlass zur Sorge. Bis auf Thorsten konnten sich jedoch alle aus dem Schwitzkasten befreien, dem schlussendlich deutlichem Sieg stand nichts mehr im Wege.

Der Reihe nach
Für eine Kurzpartie müssen beide Spieler praktisch Hand in Hand arbeiten. Thomas Stahlhofen erwischte einen schwächelnden Gegner, fand selbst die richtigen Züge, und so war der Spuk nach nur 21 Zügen beendet.
Neuer Spielstand 1.0 : 0.0
Wer gegen einen Angriffsspieler ein Turmopfer annimmt benötigt gute Nerven. Die zeigte Roland Mecklenburg, wehrte alle Angriffsversuche erfolgreich ab, bis er nach mehreren Abtäuschen die Früchte der Verteidigung einfahren konnte.
Neuer Spielstand 2.0 : 0.0
Thorsten Jaring war gesundheitlich angeschlagen, stellte sich aber trotzdem in den Dienst der Mannschaft. Und dann erwischte er noch einen Gegner, der förmlich über sich hinaus wuchs.
Neuer Spielstand 2.0 : 1.0
In dieser Saison besitzt Martin Herud einen ganz heissen Draht zu der ihm wohlgesonnenen Fortuna. Mehrfach fand sein Gegner die gewinnbringende Fortsetzung nicht, mehrfach konnte Martin haarscharf entwischen – bis er dann im Turmendspiel sein Können zeigte und mit Müh und Not ein Remis erreichte.
Neuer Spielstand 2.5 : 1.5
Nach seiner Partie hörte man von Klaus Beckmann immer wieder den Satz:” Die Partie war praktisch nach zehn Zügen gewonnen.” Es schien wirklich nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Klaus seinen riesigen positionellen Vorteil gewinnbringend unsetzen konnte. Doch seine Gegnerin wehrte sich geschickt und hätte ihn in einem ungleichfarbigen Läuferendspiel fast selbst noch in den Abgrund gestossen.
Neuer Spielstand 3.0 : 2.0
Unser Taktiker Dominador Parado geriet schwer unter Beschuss. Ein fürchterlicher Springer, ein auf der 7.Reihe stehender Turm und die herbeieilende Dame – da hätte manch einer die Flinte ins Korn geworfen. Doch unser “Little Tal” wartete geduldig auf seine Chance, die tatsächlich kam, als sein Gegner ein Schach übersah. Der daraufhin stattfindende Generalabtausch endete in einem Endspiel Turm gegen diesen einst fürchterlichen Springer.
Neuer Spielstand 4.0 : 2.0
Mit der völlig unorthodoxen Eröffnungsbehandlung seines Gegners kam Ralf Callenberg überhaupt nicht klar und musste lange um Ausgleich kämpfen. Erst als er am Damenflügel langsam Fortschritte machte, fing sein Gegner an zu taumeln. Zwei unverständliche Abwartezüge reichten Ralf seine Stellung so zu verbessern, dass die gegnerische zusammenbrach.
Neuer Spielstand 5.0 : 2.0
Was auch immer auf dem Brett von Mathias Höfker geschlagen wurde, ein Bauer gehörte nicht dazu. Die standen nämlich völlig ineinander verkeilt von der a- bis zur h-Linie. Kein Durchkommen in Sicht, wenig Aussicht auf einen kurzfristigen Erfolg – man gab sich in der letzten Partie des Tages friedvoll die Hand.
Endstand 5.5 : 2.5

Dreimal Schwarz und eine Kopfnuss
Pennekamp – Stahlhofen

Thomas hatte sich in einem Franzosen eine angenehme Stellung erarbeitet Der schwarze Vorteil ist offenkundig – es fehlt nur noch die zündende Idee.

thomas1

14…e5!. Da ist der Durchbruch. Nun ist für Weiss guter Rat teuer. Er versuchte noch
15.Db5, doch darauf hatte Thomas nur gewartet. Mit einer kleinen Kombi gewann er jetzt die Qualität.
15…Sxd4! 16. Dxb6 Sxe2+ 17. Kf2 axb6 18. Kxe2 Bb5+

thomas2

Wohl unter Schock stehend gönnte sich Weiss noch ein paar Züge.
19. Kf2 Lxf1 20. Kxf1 Tc8 21. Se1 h5

bevor er die hoffnungslose Stellung aufgab.
 

Richters – Mecklenburg

In einer scharfen Variante der Alapin-Eröffnung opfert Weiss frühzeitig einen Turm, um mit dem Monsterspringer auf d6 nicht nur Alarm am König zu machen, sondern auch die zwar zentrale, aber auch anfällige Stellung der schwarzen Dame auszunutzen.

roland1

Der letzte weisse Zug 18.Lb2 ermöglicht es Schwarz allerdings, die Stellung deutlich zu vereinfachen.
18…Sxf4! Damit gibt er zwar wieder Material zurück, aber die Damen verschwinden vom Brett.
19.Lxd4 Sxe2 Schwarz steht am Scheideweg. Mit 20.Lb2 kann er zwar noch etwas im Trüben fischen, aufs Brett kam aber das kampfeslustige
20.Lxb6 Kxb6 21.Tb1+

Ein Schach, das man nicht unterschätzen sollte.
21…Kc7?? 22.Txb7#
21…Ka5?? 22.Sc4+ Ka4 23.Lc2#
21…Ka7 22.Txb7 Ka8 war durchaus spielbar, Schwarz entschied sich jedoch für das aggressivere
21…Kc5 22.Sxb7+ Kd4

roland3

wonach Weiss die Partie vielleicht etwas früh – aber nicht zu früh – aufgab.

Khasin – Herud

Die Tschigorin-Verteidigung bekommt Martin in dieser Saison einfach nicht in die Spur. Schon im frühen Mittelspiel übernahm sein Gegner die Initiative und nach 34 Zügen war folgende Stellung entstanden.

martin1

Versucht der König über f7 zu entfliehen, folgt einfach 35.Dc7; die Partie scheint entschieden. Doch Martin fand den interessanten Zug
34…Dg4! der dem Weissen einige Stolpersteine in den Weg legt.
35.Dxg4 (natürlich nicht 35.hxg4 Th1#) hxg4 36.Tc7 gxh3 37.Txh3 (Tg8!) Th1+ 38.Kg3 Txh3 39.Kxh3 ein folgenschwerer Fehler, hier wäre 39.gxh3 der Stellung sicherlich gerechter geworden.

martin2

39…a5! mit diesem Zug entwertet Martin die gegnerischen Bauern am Damenflügel.
40.Tc3 axb5 41.axb5 Tb1 42.Tc4 Tb3 nun wird klar, warum 39.Kxh3 ein Fehler war. Der wichtige Bauer auf e3 geht verloren
43.Kg5 Txe3 44.Kf4 Tb3 45.e5 fxe5 46.Kxe5 Tg3 47.Tc2 Tb3 48.Tc6+ Kh5

martin3

Ohne noch einen Zug auszuführen, bot Weiss an dieser Stelle Remis an, das Martin erleichtert annahm. Und damit hat sich eines wieder einmal bestätigt: “Turmendspiele sind immer Remis”

Die Kopfnuss

mathias

Das Diagramm zeigt die Schlussstellung der Partie von Mathias. Alle waren sich einig, sein Remisangebot verschenkt einen halben Punkt. Schachprogramme bewerten die weisse Stellung ebenfalls als sehr gewinnträchtig. Leider bleiben die Programme den Beweis schuldig. Sie bewerten selbst nach unzähligen Zügen die Position weiterhin mehr als positiv, kommen aber praktisch kein Millimeter weiter. Vielleicht schafft es ja die menschliche Vorstellungskraft, ähnlich wie Caruana bei den London Chess Classics, die Rechenmaschinen zu überflügeln.

Vier Miniaturen
 

Unfassbar

Analysieren kann soo weh tun

 

Kurz vor der Entscheidung

3 Fragezeichen holen 2.5 Punkte

 

Endlich Vorteil

Ralf hat es geschafft

 

Mikado auf dem Schachbrett

Wer einen Bauern bewegt verliert

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