Zwei Teams auf Reisen

Bekanntlich trägt das Turnier in Waltrop schon einige Tage auf dem Buckel, ein Bericht darf dennoch nicht fehlen. Also Ring frei…
Als Fronleichnam gleich zwei Süder Teams zum traditionellen Blitzturnier nach Waltrop fuhren, ahnte sicherlich niemand, welcher historische Hintergrund das Turnier mit unserem Club verbindet: Die Uraufführung im Jahre 1957 wurde vom Süder Schachverein gewonnen, damals noch mit einer 5er-Mannschaft.

Das Überraschungspaket

v.l.n.r. Fabienne, Richard, Julian und MF Lena

Mögen die Blicke unserer Damen auf dem Foto leicht orientierungslos wirken, auf dem Brett hatten sie in Waltrop den vollen Durchblick. Und da die männliche Fraktion ebenfalls den Überblick behielt, konnte unsere junge Truppe im U-18 Turnier einen hervorragenden 3.Platz belegen, während die Senioren auf dem 17.Platz überwintern.
 

Das U-18 Turnier
 

Unser Junioren-Quartett im Einsatz

Höchste Konzentration an allen Brettern

Der Auftritt der Süder Jugend erinnerte schon etwas an ein modernes Märchen. Lange Zeit sah es nicht nach einer Teilnahme aus. Unser Blitzhai Ritchie suchte verzweifelt Teamkollegen, fand aber keinen Zuspruch. Erst als Lena und Fabienne kurzfristig ihr “okay” gaben, fand man mit Melvin einen “4.Mann”. Und wie es sich für ein Märchen gehört, sagte Melvin knapp vor Toreschluss krankheitsbedingt ab. Julian sprang ein, nach eigenen Aussagen bis kurz vor Anpfiff noch völlig unwissend, dass es sich um ein Blitzturnier handelte.

Die Abschlusstabelle

Die Tabelle zeigt ein erfreuliches Bild, wobei der Slogan “Mittendrin statt nur dabei” ein völlig neue semantische Ebene erreicht. Schaut man auf die Gegnerschaft, wird deutlich, wie hoch der 3.Platz einzuschätzen ist. Ein Garant für den Erfolg war sicherlich die geschickt gewählte Aufstellung, die noch auf der Hinfahrt lebhaft unter den Mitspielern diskutiert wurde. Mit der Reihenfolge Ritchie, Julian, Lena und Fabienne trafen sie voll ins Schwarze, was die folgende Tabelle eindeutig zeigt.

Die Einzelergebnisse

Über die Leistung von “Ritchie Blitz” am 1.Brett muss man nicht viel schreiben – 10/12 Punkte sprechen für sich. Und wenn er noch lernt, dass man bei allem Angriffswirbel auch mal an die Verteidigung denken muss, könnte er das Dutzend schaffen. Julian am 2.Brett war so eine Art Abfangjäger. Erst knapp vier Monate im Verein, war das Brett völlig schnuppe, da Blitzen nicht gerade seine Paradedisziplin ist – noch nicht. Sie hätte die Topscorerin des Teams werden können, doch Lena spielte in der letzten Runde zu sorglos, es blieb bei “nur” 10/12 Punkten – ebenfalls eine super Leistung. Last but not least spielte Fabienne am 4.Brett. Schachlich überzeugend war ihr Problem die Zeiteinteilung, die ihr manchen Punkt kostete. Besonders erwähnenswert ist der Sieg von Fabienne über eine mit knapp 1300 DWZ-Punkten bepackte Gegnerin, die sie erfolgreich ins Matt schickte – Hut ab!

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Lena, die nicht nur die Mannschaftsführerin mimte, sondern auch viele Daten und Fakten für diesen Bericht lieferte. Und weil bei nur einer Niederlage und soo vielen gesammelten Punkten die Stimmung im Team ungeahnte Höhen erreichte, bekam auch Ritchie die Chance, sich mit Urkunde zu verewigen.

Sein grosser Auftritt

 

Das Senioren-Turnier

Auch im Seniorenbereich stellten wir ein Team. Mit der Aufstellung Klaus Beckmann, Martin Herud, Roland Mecklenburg und Tom Kleiner fuhren alle recht optimistisch nach Waltrop. Doch bekanntlich ist das Blitzturnier in Waltrop keine leicht verdauliche Kost. Als kurz vor Beginn die Aufstellungen mit den dazugehörigen TWZ veröffentlicht wurden, war eines klar: um den Turniersieg musste man sich keine Gedanken machen.

Unser Senioren-Quartett im Einsatz

v.v.n.h. Tom, Roland, Martin und MF Klaus

Trotzdem setzte sich das Team vier Ziele, von denen einige doch erheblich hoch waren.

  • einmal 4.0-0.0 gewinnen – wäre mehrfach möglich gewesen, doch irgendeiner verdarb immer den Brei

  • keinmal 4.0-0.0 verlieren – gerade gegen die Topteams geht das schneller als man gucken kann. Trotzdem bekam immer irgendeiner einen Fuss in die Tür, und so musste man sich “nur” gegen den Sieger aus Bochum punktlos ergeben.

  • das Turnier mit einem Top 10 Platz beenden – wäre eventuell möglich gewesen, aber in den letzten 5 Runden gleich dreimal gegen topplazierte Teams antreten zu müssen (Ausbeute: ein Brettpunkt!), kostete einige Plätze.

  • einmal an Tisch 1 antreten – und siehe da, fünf Runden vor Schluss sass das Team tatsächlich an Tisch 1, 

Die Abschlusstabelle

Auch wenn das Team um Mannschaftsführer Klaus mit insgesamt 19 Punkten gerade einmal 50% erreichte und auf Platz 17 landete – mit nur einem Sieg mehr wäre ein 8.Platz drin gewesen, was die enorme Ausgeglichenheit im Teilnehmerfeld verdeutlicht.

Zweimal “Drumherum”

Wie erbittert gekämpft wurde, bekam Martin zu spüren. Im Endspiel Turm/König gegen Turm/könig lehnte sein Gegner mehrfach ein Remis ab. Irgendwann hatte Martin die Faxen dick, hielt die Uhr an und legte Protest ein.

Martin hatte die schwarzen Steine, was eigentlich nicht ganz soo wichtig erscheint. Wichtig war aber der Zeitvergleich. Martin hatte noch 11, sein Gegner 35 Sekunden, eine Zeitdifferenz, die selbst “Potz-Blitz” in Bestform nicht mehr egalisieren kann. Wilfried Krolik sah sich die Stellung kurz an, lauschte geduldig den Erklärungen, wie man die Stellung noch gewinnen kann, schaute dann auf die Uhr und sagte leise aber bestimmend:” Bei unserem Turnier in Waltrop wird keiner niedergeblitzt – die Partie endet remis!”
Auch bei Klaus kam es zu einer “Begegnung der anderen Art”. Im Spiel gegen Bochum bekam er es am 1.Brett mit IM Zaitzev (2492) zu tun. Vom Papier her eigentlich eine klare Angelegenheit, wehrte sich Klaus vehement, und der Kiebitz konnte plötzlich ein Lächeln auf seinem Gesicht sehen. Ein Lächeln, dass aber schnell in Erstaunen und Anerkennung wechselte. Klaus gab später selbst die Antwort: “Mit meinem letzten Zug schien die Partie gelaufen, der Punkt in greifbarer Nähe. Doch Zaitsev konterte mit einem Zug, den er schon langfristig geplant haben musste, da er recht schnell zog. Respekt – den Zug habe ich nicht einmal gesehen, brachte aber für meinen Gegner direkt den vollen Punkt.”

Der Abspann

Das Turnier in Waltrop war eine Reise wert. Erfreulich dass sich gleich ein Nachwuchs- und ein Senioren-Team auf den Weg machten, was für unseren Verein eine völlig neue Erfahrung war. Und da unsere Teilnehmer durch die Bank “Spass inne Backen” hatten, könnte der Bezirk – solange es ihn noch gibt – sich vielleicht mal überlegen, ob eine Koppelung von “jung und alt” bei einigen Turnieren auf Bezirksebene nicht lohnenswert wäre.

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